Schatzkiste

-   unsere Geschichte (n)


In unserer Schatzkiste finden sie den Geschichten-Schatz unserer Goldhaubengemeinschaft. Regelmäßig graben wir neue Schätze aus und zeigen sie hier für Sie. Schmökern Sie durch und lassen Sie sich anstecken und begeistern!


Franziska und ihr Husar

Die Linzer Tages-Post vom 28. November 1868 berichtet von

einem besonderen Ereignis:

Bild: Ausschnitt aus Wikimedia Commons -https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Albert_Kretschmer_-_070_-_Oberösterreich,_Salzkammergut.jpg;

Am 23. d. wurde in dem bei Mauthausen gelegenen Pfarrdorfe Ried*) die Hochzeit eines dualistischen Brautpaares gefeiert – die Braut eine Bauerstochter, welche lange Zeit die Hebe eines sehr besuchten Kaffeehauses der damals noch alleinigen Reichsresidenz war – der Bräutigam ein Vollblut-Ungar, natürlich Edelmann. Die

Braut in der kleidsamen Tracht Ober-Österreichs, das Haupt bedeckt mit einer schweren nationalen Goldhaube, - der Bräutigam als edler magyar ember, gekleidet in der schmucken Tracht seiner Nation, mit Csismen, enganliegender Hose, Attila, goldbefranztem Halsflor. Selbst bei der, der Trauung folgenden Tafel zeigte sich der Dualismus, indem der eine Theil den österreichisch-nationalen Most zum Trunke erwählte, während der andere Theil der Hochzeitsgäste einem vorzüglichen Weine tapfer zusprach, der wohl von Ungarn’s Rebenhügeln stammen mochte.

*) Nicht zu verwechseln mit der Innviertels-Kreisstadt, wie es postalisch so gerne

üblich ist, sogar das oberwähnte Brautpaar kann hievon Zeugnis geben, indem es

durch eine solche unglückliche Verwechslung der Orte bemüssigt war, um Dispens

von einem Aufgebot anzusuchen.

Bild: Ausschnitt aus Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Husar_Grodno_Guard_Regiment.jpg

In dieser Hochzeit wird offenbar – analog zum Ausgleich Österreich-Ungarn im Jahr 1867 – eine Partnerschaft zwischen Eheleuten zweier Nationen geschlossen.

 

Die Pfarrmatriken der Pfarren Ried und Wien Alservorstadt und Franziskaner verraten uns auch noch ein paar weitere Fakten: Die 38-jährige Braut Franziska dürfte inzwischen ihre Stelle als Hebe (Serviererin) im Kaffeehaus quittiert haben, da sie sich gegenwärtig im väterlichen Haus aufhält.

 

Der verstorbene Vater des Bräutigams, Joseph Georg Johann Nepomuk, war in Wien als Registrant der Königl. Ungarischen Hofkanzley tätig. Der 50-jährige Bräutigam Franz Carl Joseph ist Königl. Ungarischer Ministerial-Konzipist in Pest – Ofen. Ob die Eheleute danach in der zweiten Reichsresidenz Budapest wohnhaft waren, entzieht sich unserer Kenntnis.

 

Für die Beschreibung des Bräutigams werden wir vielleicht die eine oder andere Ergänzung benötigen: mit Husaren-Stiefeln (Csismen), enganliegender Hose, Attila (Uniformjacke der Husaren mit spezieller Verschnürung aus aufgenähten Silber- oder Goldbändern), goldbefranztem Halsflor (Schaltuch ähnlich einer Krawatte) war er also erschienen. Dagegen können wir uns die Braut in ihrer kleidsamen Tracht mit Goldhaube ja richtig gut auch ohne zusätzliche Erklärung vorstellen.